Griechenland. Da denkt man unweigerlich an weiß getünchte Häuser, türkisblaues Meer, antike Tempel und sonnenverwöhnte Inseln. Bilder, die längst Teil unserer Vorstellung von diesem Land geworden sind. Doch wie viel davon entspricht der Wirklichkeit? Und wie viel ist das Ergebnis eines bestimmten Blickwinkels? Genau hier setzt die Ausstellung „Around the World: Greece“ in der CAMERA WORK Virtual Gallery an. Mehr als 20 fotografische Werke aus mehreren Jahrzehnten zeigen Griechenland aus unterschiedlichen Perspektiven. Zwischen Modefotografie, Street Photography und zeitgenössischer Fotokunst wird deutlich, dass ein Ort weit mehr sein kann als seine geografische Lage. Er wird zur Inspiration, zur Kulisse und manchmal selbst zum eigentlichen Kunstwerk.
Helena – Du bist die Schönste
Wie sehr Landschaft und Licht die Bildsprache prägen können, zeigt sich besonders in der Modefotografie. Ende der 1970er Jahre inszenierte Hans Feurer auf Mykonos eine Fashion-Serie für die „Vogue“. Die mediterrane Atmosphäre wurde dabei zum wesentlichen Bestandteil der Aufnahmen. Mode und Umgebung stehen nicht unabhängig nebeneinander, sondern ergänzen sich zu einer gemeinsamen Komposition.
Ein Jahrzehnt später nutzte Albert Watson auf Korfu die besonderen Lichtverhältnisse für seine Fotografien mit Model Tully Jensen. Fließende Seide, Wasser und die Formen des weiblichen Körpers verschmelzen zu Bildern, in denen Natur und Inszenierung kaum noch voneinander zu trennen sind.
Wieder anders interpretiert Ellen von Unwerth die griechische Inselwelt. Anfang der 1990er Jahre fotografierte sie Claudia Schiffer für eine „Guess“-Kampagne auf Mykonos. Statt streng komponierter Posen setzte sie auf Bewegung, Spontaneität und Lebensfreude. Schiffer tanzt mit Einheimischen, bewegt sich am Strand und wird Teil einer Szenerie, die weniger nach klassischer Modefotografie als nach einem eingefangenen Augenblick aussieht.
Drei Fotografen, drei Jahrzehnte und drei unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich Mode und Landschaft miteinander verbinden lassen.
Das Besondere im Alltäglichen
Dass Griechenland auch abseits glamouröser Inszenierungen faszinierende Geschichten erzählt, zeigen die historischen Aufnahmen von Elliott Erwitt. Der für seinen feinsinnigen Humor bekannte Fotograf richtete seinen Blick auf Menschen und alltägliche Situationen. Straßen, Felder, Cafés, Museen und das Leben am Meer werden zu Schauplätzen kleiner Geschichten.
Seine Fotografien leben nicht von spektakulären Kulissen, sondern von Beobachtungen. Oft sind es unscheinbare Momente, die erst durch den richtigen Ausschnitt ihre besondere Wirkung entfalten.
Zwischen Wirklichkeit und Inszenierung
Einen völlig anderen Zugang wählt Dean West. Seine zeitgenössischen Arbeiten bewegen sich an der Grenze zwischen Fotografie und grafischer Komposition. Griechische Küstenlandschaften werden zu hyperrealistischen Bildräumen, in denen Felsen, Strände und Meer wie sorgfältig arrangierte Farbflächen erscheinen.
Dabei treffen antike Anklänge auf eine futuristische Bildsprache. Die Natur bleibt erkennbar, wirkt aber gleichzeitig fremd und beinahe künstlich. Was ist noch Landschaft und wo beginnt die künstlerische Konstruktion? Gerade dieses Spiel mit unserer Wahrnehmung macht die Arbeiten interessant. Die in Griechenland entstandenen Werke von Dean West werden im Rahmen der Ausstellung erstmals präsentiert.
Eine Frage der Perspektive
Die Ausstellung macht deutlich, wie sehr Fotografie von persönlichen Erfahrungen, ästhetischen Vorstellungen und dem jeweiligen Zeitgeist geprägt wird. Ein Ort verändert sich nicht zwangsläufig, nur weil er anders dargestellt wird. Wohl aber verändert sich unsere Wahrnehmung davon.
Noch bis zum 5. Dezember 2026 lädt die Ausstellung „Around the World: Greece“ in der CAMERA WORK Virtual Gallery zu einer fotografischen Reise durch Griechenland ein – ganz ohne Flugticket und Kofferpacken. Zur Ausstellung: CAMERA WORK Virtual Gallery

